Wie Hunde fressen (Teil 4) – Auf der Suche nach dem heiligen Gral des Futters

Im letzten Teil der Blogreihe habe ich die verschiedenen Futterformen aufgeführt. Doch welche dieser Formen ist am besten geeignet? Wie und was füttert man am besten, damit der Hund lange und gesund leben kann? Was ist das beste Futter? Hier meine Gedanken dazu.

“Was ist das beste Futter?”

Diese Frage wird wahrscheinlich täglich Tausende Male gefragt. Sei es bei Facebook, in Hundegruppen, auf Spaziergängen, im Supermarkt oder Fachhandel. Ich glaube, um wenige Themen der Hundehaltung wird sich so viele Gedanken gemacht, wie um das Futter. Das ist prinzipiell gut, denn bei vielen steckt die Intention dahinter, dass sie ihrem Hund ein langes, gesundes Leben wünschen. Immer mehr Menschen wird auch bewusst, dass das Futter bei der Hundehaltung eine große Rolle spielt und sowohl positive als auch negative Effekte haben kann.

Ein paar negative Folgen von ‘falscher’ Fütterung:

  • stumpfes, riechendes Fell
  • Probleme bei Kot- und Urinabsatz
  • Futtermittelallergien
  • Juckreiz, Ohrenentzündungen
  • Zahnprobleme
  • Verdauungsprobleme
  • schlechte Leistungsfähigkeit
  • Entstehung von Krankheiten (z.B. Diabetes)
  • Verhaltensprobleme (z.B. Hyperaktivität, ständiges-unter-Strom-stehen)
  • Über- oder Untergewicht
  • und andere mehr

Allerdings können diese Dinge nicht nur futterabhängig sein, sondern auch andere Ursachen haben. Ein Hund der züchterisch auf bestimmtes Verhalten selektiert wurde, dessen Bedürfnisse dahingehend aber nicht ausreichend befriedigt werden, dem hilft es auch nicht, wenn man das Futter wechselt. Im Klartext: Der Australian-Shepherd, der von Kleinauf keine Ruhe gelernt hat, wird man auch nicht durch eine Umstellung des Futters ruhig bekommen. Genauso gibt es Rassen, die einfach schon bestimmte Erkrankungen in den Genen drin haben. Auch da bringt eine Futteränderung nichts.

Und bei meiner Hündin Pucky ist der fehlende Fellglanz zum Beispiel darin begründet, dass besonders Hündinnen ihrer Rasse nach der Kastration dazu neigen, mehr Unterfell zu bekommen und weniger Deckfell.

Gleichzeitig heißt das Ausbleiben der obigen Symptome aber nicht, dass der Hund gut ernährt wird. Gerade Probleme der inneren Organe, wie zum Beispiel Lebererkrankungen zeigt der Hund erst in einem späten Stadium. Wie gesund oder krank ein Hund also tatsächlich durch eine Fütterung ist, muss ein Tierarzt abklären. Der kann auch die Nährstoffversorgung des Hundes untersuchen und so auf einen eventuell vorhandenen Mangel stossen.

Deswegen gruselt es mich manchmal, wenn ich in Facebook-Gruppen Beiträge mit Krankengeschichten von Hunden lese und man dann das Kommentar liest, man solle doch einfach dies und jenes füttern. Futter kann helfen und unterstützen, aber manches sollte halt doch erstmal tierärztlich abgeklärt werden. Übrigens kommt es nicht selten vor, dass ein Hund bei mir im Einzeltraining vorstellig wird aufgrund eines Problemverhaltens und ich nach dem ersten Termin (wo im Prinzip hauptsächlich eine Art Anamnese von mir erstellt wird über den Hund, seine Halter und das Problem) erst einmal an einen Tierarzt weiterleite. Denn Erkrankungen und Schmerzen kann man nicht trainieren.

Fütterungsmenge und Empfehlungen

Es gibt gesetzliche Werte, die von den Futtermittelherstellern eingehalten werden müssen, wenn sie ihr Futter als Alleinfutter deklarieren wollen. Ein Alleinfutter bedeutet, dass wenn man dem Hund ausschließlich dieses Futter in der für sein Gewicht und seine Aktivität entsprechenden Menge füttern würde, das alle Nährstoffe abdecken würde und man nichts zusätzlich mehr füttern muss. Das bedeutet, es gibt Listen in denen steht zum Beispiel, ein Hund benötigt pro Tag und kg Lebendgewicht 1,3mg Eisen, 0,16 mg Kupfer und so weiter. Hochgerechnet auf einen 30 kg Hund (in dieser Gewichtsklasse liegt zum Beispiel der Labrador in Abhängigkeit seiner Zuchtlinie) bedeutet das, der Hund muss täglich über das Futter 39g Eisen und 4,8g Kupfer aufnehmen, um mit diesen beiden Nährstoffen versorgt zu sein. Das ist also das, was die Futterbestandteile mitbringen müssen. Jetzt hat aber jedes Futterbestandteil andere Nährstoffmengen und die Werte schwanken zum Teil auch in Abhängigkeit von der Herkunft (ein Rind, welches auf einer unbelasteten, ungedüngten Wiese aufwächst bis zur Schlachtreife hat bringt andere Werte ins Futter, als das Rind, was seinen Stall nie verlassen hat, in einem Stand steht und minderwertigen Getreideschrot frisst). Das Rind auf der Weide ist für den Futterhersteller teurer, als das Schlachthaus-Rind, denn es wächst langsamer, hat mehr Platz zur Verfügung und verbraucht mehr Ressourcen als das schnell hochgefütterte Schlachthaus-Rind. Finanziell interessanter sind also die Schlachthaus-Rinder, allerdings hat man dort das Problem, dass die Nährstoffwerte schlechter sind. In der Folge muss der Hund (oder auch die Katze, dort kann man das analog genauso sehen) eine größere Menge zu sich nehmen, um auf die Werte zu kommen, die er haben muss. Dann muss der 30kg-Labrador eben nicht 600g Dosenfutter täglich gefüttert bekommen, sondern 4x 400 g – also 1600g (1,6kg! – TÄGLICH). Und an dieser Stelle relativiert sich dann meist der Preis von dem vermeintlich teureren Futter zum vermeintlich billigerem. Zum Vergleich: Beim BARFen ist eine Grundregel, dass der Hund in Abhängigkeit von seinem Aktivitätsstatus täglich etwa 2% seines Körpergewichtes fressen soll (bei unserem Beispiel-Labrador wären das 30kg x 0,02 (2%) = 0,6 kg (= 600g).

Nur am Rande erwähnen möchte ich diverse Probleme die sich durch die Fütterung so großer Futtermengen zwangsläufig ergeben, wie gesteigerter Kotabsatz und Übergewicht, denn irgendwo muss der ganze Doseninhalt ja bleiben.

Deswegen ist es mir ein großes Anliegen, wenn du, lieber Leser gerade auf der Suche nach dem perfekten Futter für deinen Hund bist: Bitte schau dir die Dose oder Tüte, die du in der Hand hast genau an. Handelt es sich überhaupt um ein Alleinfutter oder muss zugefüttert werden? Und VERGLEICHE die Fütterungsangaben. Nicht jeder von uns weiß aus dem EffEff, welche Nährstoffe der eigene Hund in welcher Menge benötigt, aber wenn du dich für Fertigfutter entscheidest, schau die Fütterungsempfehlung an mit dem Wissen, dass du dir eben angelesen hast und vergleiche.

Was man NICHT vergleichen kann: Fütterungsempfehlungen von verschiedenen Futterarten kannst du nicht vergleichen. Ein Trockenfutter benötigt durch die Trocknung ein teilweise deutlich geringeres Volumen um auf die entsprechenden Werte zu kommen, als Feuchtfutter. Vergleiche bitte immer nur Trockenfutter mit Trockenfutter und Nassfutter mit Nassfutter. 

Was der Hund verträgt und mag

Neben dem Nährstoffgehalt und der Qualität des Futters gibt es aber noch einen wichtigen Faktor bei der Suche nach dem perfekten Futter: Deinen Hund. Nicht jeder Hund verträgt oder mag jedes Futter. Ich habe Hunde im Kundenstamm, die ihren Napf unglücklich anschauen, und das betrifft jegliche Futterformen, selbst BARF-Hunde sind manchmal nicht glücklich mit ihrem Futter. Es gibt auch Hunde, die bereits ihr ganzes Leben “Supermarkt-Futter” bekommen und damit glücklich sind – und gesund. Ja, das gibt es – trotzdem würde ich deswegen nicht dazu raten, dieses Futter zu füttern. Helmut Schmidt ist als Kettenraucher (ich habe gelesen, er hat 2-3 Schachten täglich geraucht) über 100 Jahre alt geworden. Trotzdem käme wohl keiner auf die Idee zu sagen, Rauchen wäre gesund. Aber einen alten Hund würde ich wohl nicht mehr zu einem ‘gesünderen’ Futter animieren wollen, wenn es nicht nötig ist. Denn das ‘gesündere’ Futter könnte in diesem Fall tatsächlich zum Problem werden, weil der Magen-Darm-Trakt sich das ganze Leben an das billigere Futter (meist mit höheren Getreideanteilen und Füllstoffen) gewöhnt hat. Eine Umstellung könnte hier sehr belastend sein.

Grundsätzlich halte ich es aber für richtig, wenn man versucht, für den Hund möglichst gesunde Ernährung zu ermöglichen. Aber das perfekte Futter, das mag ich nicht zu bestimmen. Es gibt sicher das perfekte Futter für einen bestimmten Hund – aber nicht Das eine perfekte Futter für jeden Hund.

Im nächsten Teil der Reihe werde wird es um Probleme beim Füttern gehen. Welche Probleme sind die häufigsten und was kann man dagegen tun? Hast du auch ein Futter-Problem oder eine Futter-Frage? Dann schreib es gern als Kommentar, damit ich es in den Artikel mit aufnehmen kann.

Bis dahin wünsche ich dir einen guten Rutsch ins Jahr 2021

Deine

Susann

Geschrieben von: Tierservice Fehmarn

30. Dezember 2020

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